Leadership während einer Krise
Was ein Triebwerksbrand über Führung verrät
„Lead, you are on fire!“ – Eine Aussage, die während eines Übungsfluges an einen unserer Piloten gerichtet war.
Nach einer erfolgreichen Mission ihrer 2-ship, also einer Formation aus zwei Jets, waren die Piloten eigentlich ohne weitere Zwischenfälle auf dem Rückweg zum Heimatflughafen.
Doch der gewöhnliche „return to base“ war plötzlich nicht mehr im Fokus – ein Triebwerk brannte.
Welche Entscheidungen hatte der Pilot in dieser höchst brisanten Situation getroffen? Und wie konnte der andere Jet unterstützen? Leadership während einer Krise – wie wurde gehandelt?
Der Vorfall: Widersprüchliche Informationen im Cockpit
Der Pilot im betroffenen Cockpit – einer F-4F Phantom – vernahm einen lauten Knall und extreme Bewegung im Jet. Die Daten beider Triebwerke zeigten Werte außerhalb der Toleranzbereiche an, dies wiederum wies auf einen schweren mechanischen Defekt hin. Bestätigt durch den Wingman, den anderen Piloten, konnte sofort das vermeintlich betroffene Triebwerk identifiziert werden. „Lead, you are on fire! Dein rechtes Triebwerk brennt.“ Doch der hinter ihm sitzende Backseater (der Waffensystemoffizier) widerspricht: „Lead, dein linkes Triebwerk brennt!“
Der betroffene Pilot muss entscheiden. Er hat die Verantwortung für sein Cockpit. Er handelt. Er trägt die Konsequenzen. Nicht nur für sich, sondern auch für seinen Backseater. Widersprüchliche Informationen und Daten in einer hochstressigen Situation und unter extremem Zeitdruck. Piloten sind darauf trainiert, Ruhe zu bewahren und klare Entscheidungen zu treffen – in diesem Fall, das brennende Triebwerk abzuschalten.
Aber welches Triebwerk brennt nun? Das linke? Das rechte? Oder brennen sogar beide?
Erfolgreiches Leadership unter extremem Zeitdruck
Der Pilot blieb ruhig, auch wenn das Adrenalin hoch war, aber Checklisten und wieder und wieder trainierte Verfahren zeigten ihre Wirkung:
Kommunikation auf das Wesentliche reduzieren
„Number 2 Bravo: Zip lip!“ Diese kurze Aussage an den Backseater des anderen Cockpits gibt klar an, dass der Flugfunk auf ein Minimum reduziert wird. Keine unnötigen Informationen, keine Diskussion. Der Pilot setzte einen Mayday-Call an die für den Luftraum zuständige Flugsicherung ab.
Um eine verlässliche Grundlage für eine Entscheidung zu erhalten, wendete sich der Pilot an den Kollegen im unbeschädigten Jet:
„Number 2 Alpha, confirm: rechtes Triebwerk brennt?“
Der Wingman flog so nah wie möglich heran und bestätigte, dass das rechte Triebwerk brenne:
„Lead, confirmed: rechtes Triebwerk brennt!“
Klare Frage, deutliche Antwort.
Entscheidungen durch eindeutige Kommunikation absichern
Trotz der zeitkritischen und gefährlichen Situation wurde kein Risiko eingegangen, denn eine Verwechslung von rechts und links hat in der Vergangenheit in der Luftfahrt bereits zu Flugunfällen geführt.
Deshalb formulierte der Pilot seine Frage erneut, anders, zur Sicherheit – bevor er seine Entscheidung nicht mehr ändern kann:
„Copy, Number 2. Ich ziehe jetzt den rechten Schubhebel zurück, der meinem Sitz am nächsten ist, um das rechte Triebwerk auszuschalten.“
„Confirmed, Lead, du ziehst den rechten Schubhebel zurück, der deinem Sitz am nächsten ist, um das rechte Triebwerk auszuschalten.“
Detaillierte Beschreibung und exakte Wiederholung stellen sicher, dass nicht nur die gleiche Sprache, sondern auch das identische Verständnis vorliegt.
Klare Entscheidungen führen zum sicheren Ergebnis
Die Entscheidung war korrekt.
Einige Zeit später hatte sich der Jet stabilisiert und der Pilot arbeitete die Checkliste für eine sogenannte Single Engine Landing ab. Die Mission wurde mit einer sicheren Landung beendet. Return to base erfolgte.
Was Führungskräfte und Teams aus dieser Situation lernen können
Führung zeigt sich besonders dann, wenn Zeitdruck, Unsicherheit und widersprüchliche Informationen zusammentreffen. In solchen Situationen geht es nicht darum, möglichst schnell irgendeine Entscheidung zu treffen. Entscheidend ist, relevante Informationen zu erkennen, Kommunikation auf das Wesentliche zu reduzieren, Rückmeldungen eindeutig abzusichern und anschließend konsequent zu handeln.
Was im Cockpit über Jahre trainiert wird, lässt sich auch auf Führungssituationen in Unternehmen übertragen: klare Kommunikation, definierte Verantwortlichkeiten, strukturierte Entscheidungsprozesse und ein gemeinsames Verständnis im Team schaffen Handlungssicherheit – gerade dann, wenn eine Situation nicht nach Plan verläuft.
Genau hier setzt das Business Leadership Program an: Die im Cockpit bewährten Prinzipien werden erlebbar gemacht und auf konkrete Herausforderungen im Businessalltag übertragen.


